Mi?rcoles, 12 de septiembre de 2007



Eine Pressekonferenz mit Wolf Biermann
Das 7. internationale literaturfestival berlin freut sich, Wolf Biermanns "Heimkehr nach Berlin Mitte" pr?sentieren zu k?nnen. Der Liedermacher wird seine neue CD in einem Konzert am 10. September 2007 um 20:00 Uhr vorstellen. Veranstaltungsort ist das Haus der Berliner Festspiele.

Vorab wird Wolf Biermann eine Pressekonferenz geben: Am 7. September 2007 um 11:30 Uhr im H?tel Concorde Berlin, Augsburger Stra?e 41, 10789 Berlin, Tel.: 030-800 999 0


Wolf Biermann zu "Heimkehr nach Berlin Mitte":

Erst seit meiner Ausb?rgerung, im November 1976, als ich pl?tzlich weggerissen war: nicht nur von den Freunden, sondern auch von vertrauten Feinden, d?mmerte mir in diesem doppelten Verlust das heikle und un?bersetzbare deutsche Wort ?Heimat?.
Trotzig war ich meinem kommunistischen Kinderglauben noch ein paar Jahre auch im Westen treu geblieben. Aber dann begriff mein Herz endlich, was mein Kopf schon im Osten kapiert hatte: da? ich kein Kommunist mehr sein kann.
Alle besseren und schlechteren Bonzen aller kommunistischen Parteien haben sich seit der Oktoberrevolution 1917 zuverl?ssig als freiwillige oder unfreiwillige Menschenfeinde erwiesen. All diese surrealen Revolution?re entpuppten sich in der Praxis als reale Konterrevolution?re. Alle linken Menschheitsretter, wo immer sie an die Hebel der Macht kamen, bew?hrten sich als noch asozialer und massenm?rderischer und verlogener als die reaktion?rsten Rechten. Diese Lektion haben die V?lker blutig lernen m?ssen: Jeder gradere oder krummere Weg in das gelobte Land, also in das totalit?re Narrenparadies, f?hrt uns Menschen gradewegs in die tiefsten H?llen.
Das Ungl?ck meines Lebens, diese Ausb?rgerung aus der DDR, erwies sich nach den ersten wirren Jahren als mein Gl?ck: Ich wurde nun, in der zweiten H?lfte des Lebens, ein Weltenkind. Seitdem tummeln sich meine Verse nicht nur in meinem 1943 entvaterten Vaterland, sondern auch im lieblichen S?dfrankreich und in meiner Herzensheimat Israel. Und in diesem schiefen Dreieck bewege ich mich mit den Liedern der neuen Tonkonserve ?Heimkehr nach Berlin Mitte?. Es geht also um Heim und um Heimat, um Heimweh und auch, seit dem Ende des Kalten Krieges, um eine Heimkehr.
Die Ermordeten meiner Hamburger Judenfamilie, 1941 in Minsk in die Grube geschossen, 1943 in Auschwitz vergast, sie alle haben ihr Toten-Heim in Israel gefunden - in Erez Israel, wo die Juden um ihr ?berleben k?mpfen, in einem heillosen Krieg, den sie nie gewinnen k?nnen und den sie nie verlieren d?rfen.
Heimat ist f?r mich auch das Languedoc geworden, das Roussillon dort, wo die Weinberge mehr liefern als nur den ber?hmten Banyuls-Wein: es ist die ertr?gliche Leichtigkeit des Seins in dieser Kulturlandschaft des alten Europa. Und grade weil der Ton meiner Gedichte und Lieder seit eh und je so eklatant deutsch ist, gef?llt mir, wie nun die Melodien und Texte dort den lebendigen Geist der Troubadoure trinken.
Ansonsten ist im Douce France das prosaische Leben der Leute auch nicht s??er als im sauert?pfischen Deutschland. Aber ich genie?e im Lande der Katalanen, da? ich dort ein Fremder bin und also f?r nichts verantwortlich. Ein diffuses Gef?hl wie Heimweh gibt es eben nicht nur als Sehnsucht nach dem ha?geliebten Vaterland, sondern auch nach
der m?tterlichen Fremde. Ach! und wie eine chronische Krankheit gibt es sogar ein Heimweh nach den verlorenen Illusionen. Auch ich sp?re den ideologischen Phantomschmerz der europ?ischen Linken: Es ist unser kindlicher Kummer um den Verlust der roten Utopie. Manch blinder Mitl?ufer verlor ein Bein, manch revolutionsromantischer Schw?rmer verlor das Herz und mancher alter-naive Intellektuelle nur sein bi?chen Verstand.
Und wie ist es mit meiner Heimkehr nach Berlin? Seit der Geschichte des Odysseus hat es sich herumgesprochen: nach den Metzeleien und nach den folgenden Irrfahrten kann es eine Heimkehr nicht geben. Der possenhafte Parteienstreit um meine Berliner Ehrenb?rgerschaft erwies sich als ein Akt politischer Aufkl?rung, war zum Lachen und zum Weinen. Die hochnothpeinliche Urkunde f?r den 115. Ehrenb?rger der Hauptstadt hat immerhin eine alte Wunde vernarbt, denn es war f?r mich die ?ffentliche Korrektur eines brutalen Unrechts: Die Ausb?rgerung von 1976. Ende gut - alles gut? Nein, denn meine heile Heimkehr nach Ostberlin kann diese Ehrung nicht bedeuten. Warum weshalb wieso? Berlin, besonders mein Berlin-Mitte, ist ein ganz anderer Ort geworden. Auch ich habe mich ge?ndert. Das irre Wort des jungen Dichters Arthur Rimbaud ?Je est un autre? - also nicht korrekt ?je suis?: Ich bin ... - sondern richtig falsch: Ich ist ein anderer ... - dieses harte kalte Wort gilt seit je f?r jede Art Heimkehrer - und f?r mich allemal.
Berlin ist nach zwei Diktaturen wieder eine wunderbar verr?ckte, eine lebendige Demokratie geworden. Berlin ist meine alte Liebe, erst dort wurde ich Hamburger Fischkopf ja ?Der Biermann?. Die alten Freunde locken mich und sogar ein paar neue. Vielleicht suche ich f?r mich und meine Frau Pamela, die so m?dchensch?n singen kann, f?r's letzte Viertel meines Lebens, eine bewohnbare H?hle im alten Kiez.

Wolf Biermann
Heimkehr nach Berlin Mitte
erscheint bei Zweitausendeins
? 14,99


Mitteilung des 7. internationalen literaturfestivals berlin
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A press conference with Wolf Biermann
The 7th international literature festival berlin proudly presents Wolf Biermann's "Heimkehr nach Berlin Mitte" (Return to Berlin Mitte). The German singer/songwriter will present his new CD with a concert on the 10th of September 2007 at 8:00 p.m. at the Haus der Berliner Festspiele.

Wolf Biermann will give a press conference prior to his event. The press conference will be held on the 7th of September 2007 at 11:30 a.m. at the H?tel Concorde Berlin, Augsburger Stra?e 41, 10789 Berlin. Tel.: 030-800 999 0


Wolf Biermann on "Heimkehr nach Berlin Mitte":

It was only after my expatriation from the GDR in November 1976 ? only after I was suddenly torn away from my friends and enemies ? that I learned the meaning of the untranslatable German word ?Heimat.?

Stubbornly, I remained true to the Communism even a few years after I came to the West. But then my heart discovered what my head had already known in the East ? that I couldn?t be a Communist any longer.

All the best and worst Communist bigwigs since the October Revolution 1917 had proven themselves to be, whether intentionally or not, enemies of the people. All these surreal revolutionaries turned out to be real counter-revolutionaries in practice. All leftwing humanitarians who achieved any kind of power became more asocial and genocidal and duplicitous than the reactionary right. This was a bloody lesson which the people had to learn. Every smooth or bumpy road to the promised land, a totalitarian fool?s paradise, was leading us straight in to the deepest hell.

After the first tumultuous years, my great misfortune, my expatriation from the GDR, proved to be fortunate after all. In the second half of my life I became a child of the world. Since then, my new songs and poems are not only about Germany, but also about my beloved France, and the home of my heart, Israel. And within this crooked triangle are the songs of my new album ?Heimkehr nach Berlin Mitte?. This album is about home, homeland, homesickness, and since the end of the Cold War, returning home.

The murdered victims of my Jewish family in Hamburg ? shot in a ditch in Minsk in 1941, gassed in Auschwitz in 1943 ? have all been laid to rest in Israel? in ?Erez Israel,? where the Jews fight for survival in a hopeless war which they can never win, and which they can?t afford to lose.

My home has also become Languedoc, the Roussillon region, where the mountains offer more than just the famous Banyuls wine. There is a lightness of being in this old European cultural landscape. And because my poems and songs sound so blatantly German, I like to hear in my songs and literature the living ghosts of the troubadours.

Otherwise, the people in Douce France are much the same as in grumpy Germany. But in the land of that Catalans, I can take advantage of the fact that I?m a foreigner, and therefore not responsible for anything. There exists a vague feeling like homesickness that is not just a love-hate desire for one?s country, but that also draws one to foreign lands. Ah, and like a chronic sickness, there is even a homesickness for shattered illusions. I also feel the ghostly ideological pangs of the European left. This is our childish sorrow for the destruction of a Red utopia. Many a blind follower lost a leg, many a romantic revolutionary lost heart, and many na?ve intellectuals lost a bit of their sanity.

And what was my return to Berlin like? Since the time of Odysseus it has been understood that, after bloodshed and years of wandering, there is no such thing as returning home. The farcical party fight over my honorary Berlin citizenship was for me a political enlightenment, both laughable and lamentable. The document declaring me to be the 115th honorary citizen of the capital city nevertheless healed an old wound because it was the public righting of a brutal injustice: my expatriation in 1976. A happy ending? No, because this honorary gesture did not signify my safe homecoming to East Berlin. ?Why?? you ask. Berlin, especially my Berlin-Mitte, has become a completely different place. And I have changed too. The lunatic statement of the young poet Arthur Rimbaud, ?Je est un autre? (not the correct form ?Je suis?/?I am?, but rather the incorrectly accurate, ?I is another,? a hard cold realization) describes everyone who has ever returned home ? and me completely.

After two dictatorships, Berlin is once again a wonderfully crazy and lively democracy. Berlin is my old love. Now my old friends keep me here, as well as a few new ones. Maybe I?m looking for a comfortable niche for me and my wife, who sings so beautifully, where I can live out the last quarter of my life in the old neighborhood.

Wolf Biermann
?Heimkehr nach Berlin Mitte?
published by Zweitausendeins
? 14,99




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Tags: Festival Berlín

Publicado por gala2 @ 14:06
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